Warum wir unser Sortiment bewusst klein halten

Als ich The Gentleman’s Shave gestartet habe, hätte ich es mir an einer Stelle ziemlich einfach machen können:

Möglichst viele bekannte Marken aufnehmen.

Dann sieht der Shop schnell groß aus.

Viele Produkte.

Viele Kategorien.

Viel Auswahl.

Klingt erstmal logisch.

Ich habe aber relativ schnell gemerkt:

Mehr Auswahl macht einen Shop nicht automatisch besser.

Ich wollte nie einfach nur Regale füllen

Mich interessiert klassische Nassrasur nicht deshalb, weil ich möglichst viele Dosen nebeneinander sehen möchte.

Mich interessieren Marken mit Charakter.

Produkte, bei denen man merkt, dass sich jemand Gedanken gemacht hat.

Ein besonderer Duft.

Eine ungewöhnliche Seifenbasis.

Ein Hersteller mit eigener Handschrift.

Oder einfach ein Produkt, bei dem ich denke:

Das bringt wirklich etwas Neues ins Sortiment.

Genau deshalb wollte ich The Gentleman’s Shave von Anfang an nicht wie einen beliebigen Vollsortimenter aufbauen.

Kleine Marken sind oft genau deshalb spannend

Viele der interessantesten Produkte kommen nicht aus riesigen Kosmetikkonzernen.

Sondern von kleineren Herstellern, bei denen man ziemlich genau merkt, wer hinter der Marke steht.

Bei Westman ist Tiago sehr präsent.

Bei vielen amerikanischen Artisan-Marken sind die Gründer selbst tief in der Wetshaving-Szene.

Und bei Marken wie HAGS merkt man schon an den Düften und Artworks, dass hier niemand versucht, einfach möglichst neutral zu sein.

Das finde ich spannend.

Denn ein Produkt muss für mich nicht jedem gefallen.

Es darf auch polarisieren.

Hauptsache, es hat einen Grund, da zu sein.

HAGS ist dafür ein gutes Beispiel

HAGS macht genau das, was ich an modernen Artisan-Marken mag.

Ungewöhnliche Duftideen.

Auffällige Artworks.

Produkte, über die man spricht.

Man muss nicht jede Sorte mögen.

Soll man auch gar nicht.

Aber die Marke erzeugt Neugier.

Und genau das ist für mich viel interessanter als die zehnte Rasierseife, die irgendwie „fresh“ heißt und nach drei Minuten wieder vergessen ist.

Mein Fehler am Anfang: Zu sehr nach meinem Geschmack einkaufen

Und genau hier musste ich selbst etwas lernen.

Am Anfang habe ich teilweise zu stark danach geschaut:

Was finde ich gut?

Was gefällt mir?

Welcher Duft passt zu mir?

Das ist natürlich nicht völlig falsch.

Ich möchte keine Produkte verkaufen, hinter denen ich nicht stehen kann.

Aber mein Geschmack ist eben nicht automatisch der Geschmack meiner Kunden.

Heute frage ich deshalb anders:

Bringt die Marke wirklich etwas Neues?

Gibt es eine Nachfrage?

Passt sie zu unserem bestehenden Sortiment?

Und vor allem:

Brauchen wir das wirklich – oder finde nur ich es gerade spannend?

Und manchmal würde ich eine Marke gerne führen – darf es aber nicht

Gerade bei amerikanischen Artisan-Marken gibt es noch einen anderen Punkt.

Es gibt dort wahnsinnig viele starke Hersteller und Sorten, die ich mir privat sofort bestellen würde.

Aber nur weil ich ein Produkt privat kaufen kann, heißt das nicht, dass ich es in Deutschland einfach verkaufen darf.

Für Kosmetik gelten in der EU klare rechtliche Vorgaben. Wenn ein Hersteller dafür nicht entsprechend aufgestellt ist, kann ich das Produkt nicht einfach importieren und in den Shop stellen.

Das ist manchmal ziemlich frustrierend.

Denn es gibt Marken, bei denen ich sofort denke:

Die würden perfekt zu uns passen.

Und dann scheitert es nicht am Produkt.

Sondern an den Voraussetzungen für den europäischen Markt.

Genau deshalb möchte ich euch künftig stärker einbeziehen

Ich kann stundenlang recherchieren.

Herstellerseiten lesen.

Foren durchgehen.

Listen bauen.

Aber am Ende gibt es eine viel einfachere Frage:

Was wollt ihr eigentlich haben?

Welche Marke fehlt euch?

Welche Sorte würdet ihr gerne sehen?

Welche Produkte bekommt ihr in Deutschland nur schwer?

Und wo sagt ihr vielleicht sogar:

Davon habt ihr langsam genug.

Ich werde nicht jeden Wunsch automatisch umsetzen.

Qualität, Einkauf, Verfügbarkeit, rechtliche Voraussetzungen und natürlich auch Wirtschaftlichkeit müssen passen.

Aber eure Rückmeldungen sind für mich wertvoller als irgendeine theoretische Sortimentsliste.

Warum wir deshalb bewusst kuratiert bleiben

The Gentleman’s Shave soll nicht der Shop mit den meisten Produkten werden.

Das ist nicht mein Ziel.

Ich möchte lieber, dass man irgendwann sagen kann:

Die haben vielleicht nicht alles – aber was sie haben, ist bewusst ausgewählt.

Das ist schwieriger.

Und wahrscheinlich auch langsamer.

Aber genau so möchte ich den Shop aufbauen.

Nicht größer um jeden Preis.

Sondern besser mit jedem neuen Produkt.

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