The Goodfellas’ Smile Shibumi – Rasiermesser oder Shavette?

 

Beim ersten Blick auf die Shibumi dachte ich:

Das sieht eher nach japanischem Rasiermesser als nach klassischer Shavette aus.

Und genau das macht sie interessant.

The Goodfellas’ Smile verbindet hier die starre, von japanischen Kamisori inspirierte Bauform mit etwas sehr Praktischem:

einer normalen Wechselklinge.

Du bekommst also eine offen geführte Klinge und ein sehr direktes Rasurgefühl – musst dich aber nicht gleichzeitig mit dem Schärfen eines klassischen Rasiermessers beschäftigen.

Genau deshalb wollte ich die Shibumi bei uns im Sortiment haben.

Was ist die Shibumi eigentlich?

Ganz klar:

Eine Shavette. Kein klassisches Rasiermesser.

Der entscheidende Unterschied steckt in der Klinge.

Ein Rasiermesser besitzt eine fest geschliffene Schneide. Diese muss gepflegt, regelmäßig auf einem Streichriemen abgezogen und irgendwann möglicherweise neu geschärft werden.

Bei der Shibumi wird die Klinge ausgetauscht.

Sie verwendet eine halbe klassische Double-Edge-Rasierklinge.

Wird sie stumpf?

Raus damit.

Neue rein.

Fertig.

Und warum sieht sie dann so ungewöhnlich aus?

Weil sie nicht wie die typische westliche Shavette aufgebaut ist.

Kein klappbarer Griff.

Die Shibumi ist starr.

Griff und Klinge bilden eine feste Linie, ähnlich der Grundform eines japanischen Kamisori.

Dadurch verändert sich auch die Handhabung.

Und genau das finde ich spannend.

Wenn wir schon eine Shavette ins Sortiment nehmen, muss es für mich nicht unbedingt die zehnte Variante desselben Klappmessers sein.

Die wichtigsten Daten

Die Shibumi ist etwa 17 Zentimeter lang und wiegt rund 44 Gramm.

Damit ist sie vergleichsweise leicht.

Der Körper besteht aus Stahl mit schwarzer Beschichtung, der Griff ist mit roter Kordel umwickelt.

Verwendet wird:

eine halbe Standard-DE-Klinge.

Das hat einen großen Vorteil.

Du bist nicht an irgendein spezielles Klingensystem gebunden.

Normale Rasierklingen funktionieren

Wer bereits einen Rasierhobel benutzt, hat wahrscheinlich sowieso Double-Edge-Klingen zu Hause.

Genau diese kannst du auch für die Shibumi verwenden.

Eine normale DE-Klinge lässt sich – noch geschützt in ihrer Papierverpackung – vorsichtig in zwei Hälften teilen.

Damit entstehen aus einer Klinge zwei passende Shavette-Klingen.

Alternativ gibt es bereits halbierte Klingen.

Für mich ist das ein ziemlich großer Pluspunkt, weil dadurch eine riesige Auswahl verfügbar ist.

Feather.

Astra.

Personna.

Derby.

Gillette.

Und viele weitere.

Welche davon in der Shibumi für dich am besten funktioniert, musst du letztlich ausprobieren.

Denn auch hier gilt:

Die schärfste Klinge ist nicht automatisch die angenehmste.

Ist eine Shavette einfacher als ein Rasiermesser?

Bei der Pflege:

Ganz klar ja.

Bei der Rasur:

Nicht unbedingt.

Und das ist wichtig.

Nur weil du die Klinge nicht schärfen musst, wird aus einer offen geführten Klinge kein Sicherheitsrasierer.

Bei einem Rasierhobel hilft der Kopf dabei, Klinge und Haut in einem bestimmten Verhältnis zueinander zu führen.

Bei einer Shavette übernimmst du das selbst.

Winkel.

Druck.

Bewegung.

Alles liegt stärker bei dir.

Deshalb würde ich die Shibumi nicht jemandem geben und sagen:

„Mach einfach.“

Kein Druck heißt hier wirklich kein Druck

Eine DE-Klinge ist scharf.

Sehr scharf.

Und wenn ein Teil davon offen geführt wird, sollte man das respektieren.

Deshalb:

kurze Züge.

ruhige Hand.

minimaler Druck.

Und bitte keine seitlichen Bewegungen mit aufliegender Klinge.

Das klingt selbstverständlich.

Bis man einmal erlebt hat, wie schnell eine Rasierklinge genau das tut, wofür sie gebaut wurde.

Wo ich die Shibumi besonders spannend finde

Bei Konturen.

Bartlinie.

Koteletten.

Oberlippe.

Saubere Übergänge.

Weil kein großer Hobelkopf die Sicht verdeckt, sieht man sehr genau, wo die Schneide arbeitet.

Aber ich würde die Shibumi deshalb nicht auf ein reines Konturenwerkzeug reduzieren.

Mit entsprechender Technik lässt sich damit selbstverständlich auch das komplette Gesicht rasieren.

Das Gefühl ist nur deutlich direkter als beim Hobel.

Und genau das muss man mögen.

Für wen würde ich sie empfehlen?

Für jemanden, der sagt:

„Der Rasierhobel funktioniert. Jetzt möchte ich einen Schritt weitergehen.“

Oder:

„Ein klassisches Rasiermesser reizt mich, aber auf Streichriemen und Schärfen habe ich aktuell keine Lust.“

Dann wird die Shibumi interessant.

Du bekommst einen Einstieg in das Rasieren mit offen geführter Klinge, ohne gleichzeitig das komplette Thema Messerpflege übernehmen zu müssen.

Was sie allerdings nicht ist:

Ein Rasiermesser-Ersatz für jemanden, der bewusst das traditionelle Messererlebnis sucht.

Das sind zwei unterschiedliche Dinge.

Und warum haben wir ausgerechnet diese Shavette aufgenommen?

Weil sie nicht aussieht wie jede andere.

Ganz einfach.

Wir hätten problemlos eine klassische Klapp-Shavette aufnehmen können.

Davon gibt es genug.

Bei der Shibumi hatte ich dagegen sofort das Gefühl:

Die bringt etwas Eigenes ins Sortiment.

Starre Kamisori-Form.

Schwarzer Körper.

Rote Griffwicklung.

Normale DE-Klingen.

Das ist technisch sinnvoll und optisch eigenständig.

Und genau diese Kombination suche ich bei neuen Produkten.

Pflege nach der Rasur

Auch eine Wechselklingen-Shavette sollte ordentlich behandelt werden.

Nach der Rasur würde ich die Klinge entfernen und die Shibumi gründlich von Wasser und Seifenresten befreien.

Anschließend komplett trocknen lassen.

Gerade im Bereich der Klingenaufnahme sollte nicht dauerhaft Feuchtigkeit stehen bleiben.

Und auch die Griffwicklung sollte trocknen können, bevor die Shibumi wieder verstaut wird.

Keine große Wissenschaft.

Aber fünf Sekunden Pflege sind besser als irgendwann Rost oder Ablagerungen.

Mein Fazit

Die Shibumi sitzt für mich ziemlich genau zwischen zwei Welten.

Auf der einen Seite:

der unkomplizierte Klingenwechsel einer Shavette.

Auf der anderen:

die starre, direkte Führung, die deutlich näher an das Gefühl einer offenen Klinge heranführt.

Sie ist nicht für jeden.

Und ich würde sie auch nicht als allererstes Rasierwerkzeug empfehlen.

Aber wenn der klassische Hobel irgendwann etwas zu sicher geworden ist und man neugierig auf eine direktere Art der Rasur wird?

Dann wird die Shibumi verdammt interessant.

Und seien wir ehrlich:

Ein bisschen sieht sie auch einfach so aus, als hätte man ein kleines Samurai-Schwert im Badezimmer.

Das hilft natürlich.

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